Sonntag, 9. Dezember 2012

Til Ungd♥mmen



„De ville forandre verden. Så kom sommeren som forandret dem.“
„Sie wollten die Welt verändern. Dann kam der Sommer, der sie veränderte.“



Das sind zwei kurze Sätze, aber im Grunde sagen sie alles über den Dokumentarfilm „Til Ungdmmen“ von Kari Anne Moe aus. Jetzt fragt ihr euch bestimmt, warum ich über einen norwegischen Dokumentarfilm berichte. Am Donnerstag war ich gerade eben in diesem Dokumentarfilm im Kino (ja der Film läuft im Kino, dazu aber später mehr). Mit dabei waren auch ca. 60 Konfirmanden, mit denen wir später über den Film gesprochen haben. Zunächst dachte ich ja, dass es einfach „nur“ ein Film über Jugendliche ist, die sich in der Politik engagieren, doch der Film ist viel mehr…

Im Film werden 4 Jugendliche vom Sommer 2009 bis Herbst 2011 in ihren verschiedenen jugendpolitischen Organisationen und Aktivitäten begleitet: Johanne (AUF, Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartiet), Sana (SU, Sosialistik Ungdom), Henrik (FPU, Fremskrittspartiets Ungdom) und Haakon (Unge Høyre). Ein Ereignis, das nicht nur Norwegen, sondern auch die ganze Welt mit Schock getroffen hat, liegt in diesem Zeitraum: der 22.07.2011. Das war der Tag an dem Anders Behring Breivik sein Attentat auf der Insel Utøya ausübte.


 


"Vi får innblikk i deres usikkerheter, drømmer, håp for fremtiden, og ikke minst deres brennende politiske engasjement. Dette er ikke en film om Utøya og selve hendelsen alene. Dette er en film om ungdommene og menneskene rundt. Om skolevalg, den første debatten, latteren, smilene, og tårene. Om sorgen, sjokket, påvirkningen, marerittene i ettertid. Du får ikke se noe du ikke allerede har sett, eller vite noe du ikke allerede vet, om 22. juli. Du får derimot et enormt viktig innblikk i et av vårt lands mest forferdelige hendelser"


„Wir bekommen Einblick in ihre Unsicherheiten, Träume, Hoffnungen für die Zukunft, und nicht zuletzt ihn ihr politisches Engagement. Das ist kein Film über Utøya und die Veranstaltung alleine. Das ist ein Film über Jugendliche und die Menschen rundherum. Über Schulwahlen, die ersten Debatten, Lachen, Lächeln und Tränen. Über Sorgen, Schock, Beeinflussung, Albträume im Rückblick. Du siehst nichts, was du nicht schon gesehen hast, oder erfährst mehr, was du nicht schon über den 22. Juli wusstest. Du erhältst jedoch einen enorm wichtigen Einblick in eines der in unserem Land meist schrecklichen Ereignisse.“


 


Johanne auf dem Weg zur Insel Utøya

Es war schon echt ein krasses Gefühl, als plötzlich die Leinwand für eine gefühlte Ewigkeit Zeit schwarz wurde und du nur das Explodieren einer Bombe hörtest. Und die anschließenden Bilder waren echt schockierend und bewegend. Das Kamerateam war „live“ dabei, als die Bombe explodierte, da sie gerade dabei waren, Sana in der Innenstadt von Oslo zu filmen. Da gab es dann Aufnahmen der schockierten Jugendlichen, die die Explosion hörten, Bilder des zerstörten Regierungsviertels und den Fragen, ob sich Jens Stoltenberg (Ministerpräsident Norwegens) zur Zeit in seinen Büroräumen Aufgehalten habe.


Vorher gab es Aufnahmen vom Sommercamp der AUF, auf der Insel Utøya, bei dem auch Johanne dabei war. Da wurde dann eine Art Rückblick gezeigt und ich dachte nur noch: „Nein, das kann jetzt nicht wahr sein! Bitte, lass das Mädchen nicht tot sein!“ Sie hat überlebt und umso mehr geht es unter die Haut, wie sie dem Zuschauer erzählt, wie sie das Attentat auf der Insel er- und überlebt hat.


 


„Han ser oss. Han ser meg i øyne nå!“


„Er sieht uns. Er schaut mir in die Augen!“


 


Sehr bewegend fand ich auch die Aufnahmen von der Trauerfeier am 24.07.2011. Ein sehr bewegendes Bild, das ich nicht vergessen werde ist, als sich in Oslo über 40.000 Menschen versammelt haben und alle eine Rose in die Luft halten.

Die Hauptdarsteller und Regisseurin der Dokumentation bei der Premiere des Filmes beim Filmfestival in Haugesund 19.08.2012

Hier auch einmal für euch der Trailer. Es ist zwar alles auf Norwegisch, aber ich finde, die Bilder sprechen für sich!


 


Mit den Konfirmanden hatten wir anschließend eine interessante und spannende Diskussion. Dabei ging es um verschiedene Fragen: Engagieren wir uns in Politik? Wenn ja, wo? Ist es wichtig, sich in der Politik zu engagieren? Was für Möglichkeiten haben wir? Haben wir als Christen eine besondere Motivation? War Gott an dem Tag da, als das Attentat geschah?


 


Ursprünglich sollte die Dokumentation „Braveheart“ heißen, nach den Anschlägen wurde der Titel aber in „Til Ungdmmen“ (An die Jugend) umgeändert. Der Film ist so nun nach einem berühmten Gedicht von Nordahl Grieg (norwegischer Schriftsteller und Journalist) benannt. Nach den Anschlägen wurde das Gedicht/Lied Bestandteil der Gedenkgottesdienste, Zusammenkünfte und Trauerfeiern.


Das Gedicht schrieb Grieg 1936 im Auftrag des norwegischen Politikers Trond Hegna für die norwegische Studentenvereinigung. Das Gedicht bezieht sich auf den 1936 ausgebrochenen spanischen Bürgerkrieg.


 


Til Ungdommen
von Nordahl Grieg (1936)

Kringsatt av fiender,
gå inn i din tid!
Under en blodig storm -
vi deg til strid!
Kanskje du spør i angst,
udekket, åpen:
hva skal jeg kjempe med
hva er mitt våpen?
Her er ditt vern mot vold,
her er ditt sverd:
troen på livet vårt,
menneskets verd.
For all vår fremtids skyld,
søk det og dyrk det,
dø om du må - men:
øk det og styrk det!
Stilt går granatenes
glidende bånd
Stans deres drift mot død
stans dem med ånd!
Krig er forakt for liv.
Fred er å skape.
Kast dine krefter inn:
døden skal tape!
Elsk og berik med drøm
alt stort som var!
Gå mot det ukjente
fravrist det svar.
Ubygde kraftverker,
ukjente stjerner.
Skap dem, med skånet livs
dristige hjerner!
Edelt er mennesket,
jorden er rik!
Finnes her nød og sult
skyldes det svik.
Knus det! I livets navn
skal urett falle.
Solskinn og brød og ånd
eies av alle.
Da synker våpnene
maktesløs ned!
Skaper vi menneskeverd
skaper vi fred.
Den som med høyre arm
bærer en byrde,
dyr og umistelig,
kan ikke myrde.
Dette er løftet vårt
fra bror til bror:
vi vil bli gode mot
menskenes jord.
Vi vil ta vare på
skjønnheten, varmen
som om vi bar et barn
varsomt på armen!
Deutsche Übertragung
von Peter Otto (2011)

Umgeben von Feinden -
sie steh'n vor dem Tor;
die Schlacht ist zu schlagen
bereite dich vor!
Vielleicht fragst voll Angst du,
wehrlos wie ein Kind,
welches deine Waffen
für die Kämpfe sind.
Hier nun ist die Waffe,
Schwert gegen Gewalt:
Glauben als Bekenntnis
Menschenwürd' alsbald.
Zukunft von uns allen,
der bist du es schuld':
selbst Opfer deines Lebens,
sei stark, hab' Geduld!
Terror und auch Schüsse
hier in deinem Land?
Der Tod darf nicht siegen
dein Geist ist dein Pfand.
Verachtung des Lebens
stellt Frieden nicht her.
Nimm all' deine Kräfte:
der Tod soll verlier'n.
Lieben und Träumen
allein bringt voran.
Der Zukunft entgegen
die Antwort nur dann.
Fabriken ungebaut,
Sterne unbekannt.
Baue und erforsche!
schon' dabei dein Land!
Würde ist dem Menschen,
seine Erde reich.
Gibt es Not und Hunger,
ist Verrat dem gleich.
In des Lebens Namen
vergiss das Unrecht!
Sonne, Brot und Geist
bringen es zurecht.
Waffen, sinket nieder!
Menschen sind es wert,
dass wir Frieden schaffen
hier auf dieser Erd'!
Verantwortung zu tragen
ist des Menschen Bürd'.
Mehr als alle Tiere
sei IHM diese Würd'!
Darum wir versprechen,
Brüder, ihr seid's wert,
sorgsam umzugehen,
mit der Menschen Erd'.
Leben braucht auch Schönheit,
Wärme wie ein Kind -
g'rade erst geboren -
so wir alle sind.

 

Montag, 3. Dezember 2012

"Wir sagen euch an...



...den lieben Advent.“ In diesem Sinne wünsche ich euch – einen Tag verspätet – einen schönen ersten Advent. Passend dazu hat es hier in Norwegen auch schon am Freitag angefangen zu schneien.
"Sehet die erste Kerze brennt!
Am Samstag wurde daher auch gleich der Weihnachtsmarkt in Haugesund getestet. Er ist zwar nicht so groß (nur der Rathausplatz), aber dennoch sehr interessant, was es alles zu sehen gab. Da gab es Buden, die selbstgestrickte Waren verkauften, etwa wie Pullover für Groß und Klein, Handschuhe im typischen Norwegenstyle oder Mützen, aber auch das Essen durfte ja nicht fehlen! Über Süßes, Riesenlutscher, selbstgebackene Kartoffelkuchen und andere Leckereien gab es alles – sogar auch FISCH! Da musste ich echt zweimal hingucken, da ich Fisch ja nicht unbedingt mit Weihnachtsmarkt verbinde, aber in den Gläsern lagen doch tatsächlich kleine Fische… Ob es den Fisch auch auf einem Weihnachtsmarkt in einer Stadt im Innland gibt weiß ich nicht, oder ob es hier nur daran liegt, dass ich in einer Stadt am Meer wohne!? Aber etwas vermisst habe ich die Glühweinbonbons, die ich sonst immer bei uns auf dem Weihnachtsmarkt kaufe. Dafür gab es aber noch so die ein oder andere Attraktion, die mich hat staunen lassen. Zum Beispiel gab es eine richtig schöne große Tanne mit einem etwas alternativen Weihnachtsschmuck. Mich hat es etwas an Cheerleading-Pompons erinnert :D
Weihnachtsmarkt in Haugesund
 Am Abend stand dann das „LysVåken“ auf dem Plan. Das ist eine Adventsnacht in der Kirche, zu der alle 11 Jährigen aus der Gemeinde eingeladen wurden. Das war, wie die Norweger sagen würden „utrolig hyggelig“ und „veldig koselig“. Mit 33 motivierten Kindern gab es zunächst eine „Perlenwanderung“. An verschiedenen Stationen gab es verschiedene Aktivitäten zu den verschiedenen Perlen des Christuskranzes, der anschließend geknotet wurde. Weiter ging es mit der Vorbereitung des Adventssonntagsgottesdienstes. In verschiedenen Kleingruppen haben die Kinder verschiedene Aspekte des Gottesdienstes mitgestaltet. So gab es beispielsweise: Gesang, Tanz, Drama oder Fürbitten. Beim anschließenden Abendessen – Pizza und Brownies - wurde dann auch schon mit einem kleinen Feuerwerk gebührend das neue Kirchenjahr eingeläutet. Nach dem Essen hatten alle die Möglichkeit verschiedene Weihnachtsgeschenke zu gestalten. Herausgekommen sind sehr schöne Seidenbilder, Taschen, Sitzkissen, Glasuntersetzer und Geschenkkarten.
 
Dies ist ein kleiner allgemeiner "Werbefilm" für LysVåken



  
Die Nacht in der Kirche war dann doch eine, wie der Ostwestfale sagen würde „interessante“ Erfahrung. Ganz so viel Schlaf gab es da nicht – also auf beiden Seiten… Mit 33 aufgeregten Kindern, die eine Nacht in der Kirche schlafen durften und davon 24 gesprächige Mädels war es mit der Nachtruhe um 12 Uhr doch schwierig. Als gegen 4.30 Uhr immer noch, mit zwischenzeitlichen Ruhen, gequatscht und getuschelt wurde, hab ich mich dann kurzerhand einfach „zu denen gesellt“ und gewartet, dass etwas Ruhe einkehrte. Ich hatte ja die Befürchtung, dass, sobald ich da weggehe, das Getuschel wieder anfängt, aber zu meiner Überraschung blieb es ruhig und auch ich konnte noch ein wenig Schlaf finden. Um 7.45 Uhr wurden wir dann alle von Kari, die „Deilig er den himmel blå“ auf der Orgel spielte, geweckt. Das war richtig schön!
Ach ja, beim Frühstück erzählte dann ein Junge, dass er die Nacht gar nicht geschlafen hätte. Danach kam die Frage an mich, ob ich das gewesen wäre, die sich in der Nacht vorne in die Stuhlreihen gesetzt hätte und „für Ruhe gesorgt“ hätte. Nachdem ich die Frage mit „Ja“ beantwortete kam die Aussage: „Ich glaub das war die einzige Stunde, wo ich geschlafen habe!“. Tja, wenn das kein Kompliment sein sollte :D

Im Adventsgottesdienst präsentierten die verschiedenen Kleingruppen den LysVåken-Song und Tanz. Zudem gab es das einstudierte Anspiel und die vorbereiteten Fürbitten. Doch es wurden nicht nur der erste Advent und der Beginn des neuen Kirchenjahres gefeiert, es war auch der erste Tag für die neue Liturgie in den norwegischen Gottesdiensten. Somit war es ein spannender und schöner Adventsgottesdienst. Auch wenn wir für mich unbekannte Adventslieder gesungen haben, waren diese total schön.

Ich freu mich jetzt schon richtig auf den Rest der Adventszeit und wünsche euch einen guten Start in die neue Woche :)

Donnerstag, 15. November 2012

Ja, ich will!

Ich liebe es Norwegisch zu lernen! Nicht nur, weil es einfach eine super schöne Sprache ist, sondern auch, weil wir einfach so viel Spaß haben. Nach meiner bestandenen Norskprøve2 konnte ich den Kurs wechseln und bin jetzt im höheren Kurs mit dem weiterführenden Buch. Das heißt, ich darf jetzt „alleine“ etwa 15 Kapitel mit Grammatik lernen und aufholen… Ich muss sagen, ich vermisse meinen alten Kurs schon etwas, aber ich bin auch froh vor die Herausforderung gestellt zu werden, die ganze Grammatik aufzuholen und so schneller zu lernen. Auch wenn die Texte jetzt etwas schwerer sind, klappt es doch gut mit dem verstehen und sprechen. Da taucht doch öfter die Fragen auf wie „Hvor lenge har du vært i Norge?“ und „Du har ikke lært norsk før?“ Tja, ich bin knapp 3 Monate hier und nein ich habe kein Norwegisch in Deutschland gelernt. Aber das sind nicht die einzigen Fragen, die mir gestellt werden. Da kommen dann auch persönlichere Fragen, die doch etwas mit der Zusammenstellung des Kurses zu tun haben ;) Die Leute in meinem Kurs kommen alle aus Ost-Europa, bzw. Asien und sind mit einem norwegischen Mann bzw. einer norwegischen Frau verheiratet oder Flüchtling und lernen schon seit etwa 2-3 Jahren Norwegisch. Tja, und als ich dann ich den Kurs kam, tauchten dann Sätze auf wie „Und dein Mann…?“ Wie bitte? Mann? Äh, nein, ich bin nicht verheirate!

Nachdem das geklärt war und wir auf meine Arbeit zu sprechen kamen tauchten noch weitere für den einen oder anderen unbegreifliche Tatsachen auf. 1. Ich werde nur für ein Jahr in Norwegen leben 2. Mir gefällt es hier in Norwegen sehr gut und ich könnte mir vorstellen hier zu leben – Aber warum gehst du dann nach einem Jahr wieder zurück, wenn es dir doch hier gefällt!? Danach kam der erste Vorschlag, dass ich mir doch hier einen Mann suchen sollte, damit ich in Norwegen bleiben kann. Also, falls ich nach dem Jahr nicht wiederkommen sollte, hat mein Kurs jemanden für mich gefunden :D

Heute kam dann aber der Hammer! Thema war eigentlich „Massmedier og informasjon“. Im Unterricht wurden dann auch fleißig verschiedenen Zeitungsartikel gelesen. Ganz genau, wie wir nach Shanghai gekommen sind, weiß ich nicht mehr, aber ich glaube über sprachen über Ärzte und dass die hier in Norwegen nicht so viele Tabletten verschreiben. In China dagegen sind Ärzte wohl sehr „übervorsorglich“ und verschreiben gleich einen ganzen Haufen Medikamente (wegen des Geldes). Irgendwie darüber müssen wir wohl auf die männliche Mentalität in China – insbesondere in Shanghai gekommen sein. Plötzlich hieß es von Xinju an mich gewandt: „Die Männer in Shanghai sind gute Männer. Richtige Gentleman, die sich um dich kümmern. Da wirst du jeden Tag geküsst!“ :D Jamie hat dann noch hinzugefügt, dass ich mir dann auch ja einen mit Geld suchen solle, damit sie mich dann in Shanghai besuchen könnten! Es wurde dann auch gleich schon halb eine Kursreise nach Shanghai geplant, damit ich meinen Shanghaimann finden kann – mein lieber Kurs, was würde ich nur ohne euch machen! :*